Arbeitskreis Zwangssterilisation und "Euthanasie" Frankfurt am Main

Wohnungslose im Nationalsozialismus

Ausstellung in der Katharinenkirche, Frankfurt am Main, Hauptwache

11. – 28. November 2019

Die Ausstellung „Wohnungslose im Nationalsozialismus“ zeigt die Entwicklung von den ersten Razzien 1933 bis zum Terror der KZ-Haft. Die Veranstaltungen des Rahmenprogramms rücken verschiedene Aspekte der Verfolgung von Menschen als „Asoziale“ in den Blickpunkt.
Öffnungszeiten: Montags bis Samstags, 12.00-18.00 Uhr

Veranstaltungsreihe

Ausstellungseröffnung
11. November, 18 Uhr, Katharinenkirche

Begrüßung (Arbeitskreis Zwangssterilisation und „Euthanasie“ Frankfurt am Main)

Wohnungslose im Nationalsozialismus (Prof. Wolfgang Ayaß, Kassel)

Auftritt von Musikern des Philharmonischen Vereins der Roma und Sinti

„Herumtreiberei“ und „liederlicher Lebenswandel“ – Frauen im Zugriff von Fürsorge, Gesundheitsamt und Polizei im NS-Staat
14. November, 19 Uhr, Frankfurt University of Applied Sciences, Geb. 2, Raum 174

Dr. Christa Schikorra (Flossenbürg, Berlin)

Welche Frauen galten als „asozial“ und „gemeinschaftsfremd“, und warum? Welche Instanzen waren an ihrer Verfolgung beteiligt und was wurde ihnen vorgeworfen? Ausgehend von überlieferten Akten der Fürsorgeeinrichtungen und Gesundheitsämtern, der Polizei und der Krankenanstalten aus der NS-Zeit wird die Konstruktion der weiblichen „Asozialen“ in den Blick genommen. Die Kontinuitäten der Ausgrenzung wirken bis in die Gegenwart.

„Du hattest es besser als ich“

19. November, 19:30 Uhr, Bibliothekszentrum Sachsenhausen

Prof. Frank Nonnenmacher (Frankfurt am Main)

Zwei Brüder im 20. Jahrhundert. Nonnenmacher, emeritierter Professor für politische Bildung, erzählt die Geschichte seines Vaters und seines Onkels: Gustav flog für Hitlers Luftwaffe und wurde später freischaffender Bildhauer. Sein Bruder Ernst kam nach Verbüßung einer Strafhaft als „Berufsverbrecher“ ins KZ. Nonnenmacher ist Gründer einer Initiative zur Anerkennung dieser bislang ignorierten Opfergruppe.

Die Verfolgung und Vernichtung der Sinti und Roma – eine Wirkungsgeschichte
28. November, 19 Uhr, Haus am Dom, Giebelsaal

Dr. Udo Engbring-Romang (Marburg)

Sinti und Roma waren spätestens seit 1935 als angebliche „Fremdrasse“ von der NS-Verfolgungspolitik betroffen, gleichzeitig waren sie auch Opfer des traditionellen Antiziganismus, der sie als „Nichtsesshafte“ und „Arbeitsscheue“ stigmatisierte. Dieser Ausgrenzungsmechanismus wirkte nicht zuletzt bei Behörden wie auch in den Entschädigungsverfahren nach 1945 weiter.
Veranstalter:

  • Arbeitskreis Zwangssterilisation und „Euthanasie“ Frankfurt am Main
  • Frankfurt University of Applied Sciences (FB 4)
  • Förderverein Roma e.V.
  • AG Bund der „Euthanasie“-Geschädigten und Zwangssterilisierten
  • Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V.
  • Stadtbücherei Frankfurt/Main

Unterstützer/Förderer:

  • Evangelisches Stadtdekanat Frankfurt am Main
  • Stiftung Citoyen
  • FAZIT-Stiftung
  • Hessische Landeszentrale für politische Bildung
  • ECCO! Agentur für Kulturmedien

 

Präsentation der Informationsplatte am NS-Opferfeld auf dem Hauptfriedhof Frankfurt/Main

Mittwoch, 2.Oktober 2019, 16.30 Uhr

Hauptfriedhof, Gewann VII
Ablauf:

  •     Das Gräberfeld und seine Problematik
  •     Grußwort: Stadträtin Elke Sautner (Stadt Frankfurt/Main)
  •     Geschichten unter der Oberfläche: Drei Skizzen

Im Gewann VII des Hauptfriedhofs liegt das NS-Opferfeld, 1958 wurde es angelegt. Optisch bestimmt wird es von der Figur des Hiob (Gerhard Marcks). Aufgeteilt in sechs Felder liegen hier 120 Grabplatten, die 500 Urnengräber abdecken.
Circa 330 dieser Urnen bergen die Asche von Opfern der NS-„Euthanasie“, von Menschen, die ermordet wurden, weil sie anstaltspflegebedürftig waren – die jüngste (Margot Unger) war 6 Jahre alt, die älteste (Magdalena Brühl) 79 Jahre. Die übrigen 170 Urnen enthalten überwiegend die Asche von KZ-Opfern, das heißt von Menschen, die als Kommunisten oder Sozialdemokraten, als Juden, als sogenannte „Asoziale“ oder „Bibelforscher“, als Sinti und Roma verfolgt wurden.
Die Grabplatten sind teilweise stark in Mitleidenschaft gezogen. Nur bei etwa der Hälfte sind die Inschriften gut lesbar: In der Regel vier Namen mit Lebensdaten, ohne jeden Hinweis auf den Sterbeort. Bei fast allen Opfern der NS-„Euthanasie“ sind jedoch die Sterbedaten falsch angegeben: Tatsächlich lag der Tatzeitpunkt mehrere Tage früher, manchmal aber auch sechs Wochen (bei Gottfried Hock) oder über zwei Monate (bei Heinrich Heusohn). Die Falschangaben wurden von den NS-Tätern in die Welt gesetzt –, auf dem Frankfurter Hauptfriedhof haben sie bis heute Bestand. Die neue Informationsplatte macht diese Hintergründe publik und verweist auf eine Webseite mit korrekten Angaben.
Das NS-Opferfeld auf dem Hauptfriedhof könnte als ein Erinnerungsort für Frankfurt fungieren, denn hier befinden sich die Grabstätten von Bürgern und Bürgerinnen dieser Stadt, die aus unterschiedlichen Gründen während des Nationalsozialismus ermordet wurden. Damit die Geschichten erzählt werden können, müssen die Inschriften lesbar sein, müssen die Daten korrigiert und die Sterbeorte genannt werden. Die Informationsplatte ist ein Schritt, dem Anspruch eines „NS-Opferfeldes“ gerecht zu werden.

Alle Informationen zum Projekt: https://graeberfeld.copyriot.com/